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1329 - Beitritt Schlesiens

Auch unter den weiteren Staufern, insbesondere Heinrich VI. und Friedrich II., richten sich die Interessen des Reichs im wesentlichen nach Italien bis Sizilien. Palermo wird Zentrum des Heiligen Römischen Reichs. Nach dem Tode des letzten Staufers Konrad IV. 1254 beginnt in Deutschland das ‚Interregnum‘ unter fremden Herrschern. Die Landesfürsten erstarken, die ursprünglichen Stammesherzogtümer zerfallen in eine Vielzahl kleinerer Einheiten. Ottokar II. von Böhmen reißt nach dem Aussterben der Babenberger 1246 Österreich (die ehemals bayrische Ostmark, seit 1156 Herzogtum) und Kärnten an sich. Erst unter Rudolf von Habsburg (aus einem alemannischen Geschlecht im Aargau) wird 1273 die Königsmacht im Reich wieder hergestellt. Durch den Sieg über Ottokar begründet er 1282 die habsburgische Hausmacht in den Herzogtümern Österreich und Steiermark, bis 1363 ergänzt um Kärnten, Krain (das spätere Slowenien) und Tirol. Nach dem Aussterben der Přemysliden 1310 folgen in Böhmen die Luxemburger auf dem Thron, an die 1347 die Kaiserwürde geht. Prag wird Hauptstadt des Reichs.

Im Norden hatte der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 den Deutschen Orden zur Bekehrung der baltischen Prußen (die ihren Namen dem späteren Preußen geben) zu Hilfe gerufen. Kaiser Friedrich II. ermächtigt im selben Jahr den Orden zu weltlicher Herrschaft in dem Land, das er unterwirft.

Es folgt 1255 die Gründung von Königsberg (benannt nach dem am Sieg über die Prußen beteiligten böhmischen König Ottokar). 1310 erobert der Orden die Pommerellen mit Danzig und gerät so in Gegensatz zu Polen, das ihn einst gerufen hatte. Die dänischen Besitzungen in Rügen und dem vorgelagerten Küstenstreifen kommen 1325 an das brandenburgische Pommern.

Seit dem 12. Jahrhundert förderten die polnischen Könige die deutsche Einwanderung in Schlesien (nach den germanischen Silingern benannt, die hier bis zur Völkerwanderung siedelten). In einer Schwächephase der Piastenmonarchie in Polen treten die schlesischen Herzöge 1329 unter böhmische Lehnshoheit; das schon weitgehend deutsch besiedelte Land kommt somit an das Deutsche Reich, vom polnischen König Kasimir III. 1335 endgültig akzeptiert. Das in dieser Zeit von Polen gewonnene Ostgalizien mit Lemberg wird – eine seltsame geschichtliche Parallele – gerade dann wieder verloren, als Schlesien über 600 Jahre später ‚zurückgewonnen’ wird.

Während das Reich im Osten expandiert, beginnt im Westen eine über Jahrhunderte währende Erosion der Reichsgrenze. 1246 war das südliche Niederburgund, d.h. die Grafschaft Provence mit Arles und Marseille, an das Haus Anjou gefallen; 1307 folgte Lyon. Schon 1301 war das Herzogtum Bar westlich der Maas an Frankreich gefallen, nachdem man sich auf die Maas als deutsch-französische Grenze geeinigt hatte. Beim Reich verbleiben die durch Heirat um die Grafschaft Turin (Piemont) erweiterte Grafschaft Savoyen sowie die ‚Freigrafschaft Burgund‘ (Franche Comté) mit Besançon (Bisanz) und Mömpelgard (Montbéliard). Im allemannischen Nordosten Burgunds bildet sich eine Vielzahl kleiner Herrschaften, darunter 1315 in den ‚Urkantonen‘ die ‚Lande der Eidgenossen‘, die Urzelle der späteren Schweiz.

Die deutsche Sprachgrenze dehnt sich weiter in den Osten. Sie überschreitet in Pommern die Oder, im Kulmer Land um Thorn bis nach Elbing und in Posen bilden sich deutsche Sprachinseln. Im mittleren Bereich dehnt sie sich nach Niederschlesien, wo nach der Niederbrennung der polnischen Bischofsstadt Wratislaw durch die Mongolen 1241 die deutsche Kaufmannssiedlung Breslau entsteht, und in Böhmen weiter aus. Krakau und Posen werden mehrheitlich deutsche Kaufmannstädte.