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1919 - Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg

Das Deutsche Reich als neue Großmacht in der Mitte Europas verletzt insbesondere das Selbstbewusstsein Frankreichs. Bismarck versucht durch eine auf Interessenausgleich in Europa zielende Friedenspolitik die Position des Reichs zu stabilisieren und Frankreich zu isolieren. Die Wiederannäherung an Österreich durch Bildung eines ‚Zweibunds’, durch den Beitritt Italiens zum ‚Dreibund’ erweitert, und ein ‚Rückversicherungsvertrag’ mit Russland sind folgerichtige Schritte. Ohne Konflikte mit der Kolonialmacht England kann Bismarck in Afrika und dem pazifischen Ozeanien ein deutsches Kolonialreich begründen.

Eine kritische Wende beginnt unter Wilhelm II., der Bismarck entlässt und das Angebot Russlands auf Erneuerung des Rückversicherungsvertrags ausschlägt. Auch das Verhältnis zu England verschlechtert sich, bedingt durch die neue deutsche Weltpolitik (u.a. in China und Südafrika) und den Ausbau der deutschen Kriegsflotte. Die Folge ist eine ‚Entente’ zwischen England und Frankreich, zusammen mit Russland ein gegen das Reich gerichteter ‚Dreiverband’. Durch die innere Schwäche Österreich-Ungarns und die zwiespältige Haltung Italiens verliert zudem der vom Reich geschmiedete ‚Dreibund’ an Wert.

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo am 28. Juni 1914 durch einen serbischen Nationalisten und das folgende Ultimatum Österreichs an Serbien stürzt Europa in eine Kettenreaktion von Kriegserklärungen und in den Ersten Weltkrieg. Nach ersten deutschen Erfolgen auf allen Kriegsschauplätzen führen der verlustreiche Stellungskrieg im Westen (Verdun) und der Kriegseintritt der USA zu einer Kriegswende, die auch durch den Wegfall der Ostfront nach der Oktoberrevolution in Russland nicht aufgehoben wird. In der ‚Novemberrevolution’ 1918 werden der Kaiser zur Abdankung gezwungen und die Republik – unter Reichskanzler Ebert – ausgerufen. Am 11. November kommt es zum Waffenstillstand.

Im Versailler Diktatfrieden 1919 verliert Deutschland im Osten den größten Teil der Provinzen Westpreußen und Posen. Danzig wird erneut Freie Stadt. Ostpreußen, um das Memelland verkleinert, wird nun durch den ‚polnischen Korridor’ vom Reich getrennt. Im Westen kommen Elsass-Lothringen wieder an Frankreich, Eupen und Malmedy an Belgien. Das Saarland wird für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt und wirtschaftlich mit Frankreich verbunden. Die verfügten Volksabstimmungen im südlichen Ostpreußen (Masuren) ergeben 97,5%, im östlichen Westpreußen (Marienwerder) 92,8% für Deutschland und führen so zum Verbleib beim Reich. In Oberschlesien wird trotz 68% für Deutschland der östliche, mehrheitlich polnische Teil mit Tarnowitz und Kattowitz an Polen abgetreten. Schleswig wird geteilt, der nördliche Teil mit Tondern und Hadersleben fällt an Dänemark.

Der nach dem Untergang Österreich-Ungarns gebildeten Republik Deutschösterreich, die sich als Teil der ‚Deutschen Republik’ proklamiert, wird der Anschluss an Deutschland verboten, der Name ‚Deutschösterreich’ untersagt. Böhmen, Mähren und das südliche Oberschlesien (‚Sudetenschlesien’) bilden nun mit der vormals ungarischen Slowakei die Tschechoslowakei. Südtirol (mit Bozen und Trient), das Kärntner Kanaltal und das Küstenland mit Triest fallen an Italien, das im Krieg die Seiten gewechselt hatte. Galizien mit Krakau und Lemberg fällt an das wieder erstandene Polen, die Krain und Südsteiermark (mit Marburg/Maribor) an das neu gegründete Jugoslawien. Österreich erhält aber aus dem ungarischen Reichsteil das deutsch besiedelte Burgenland (ohne Ödenburg/Sopron).

Es folgen eine Vertreibung und Abwanderung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung aus den Provinzen Posen und Westpreußen (1,5 Millionen Flüchtlinge) sowie aus der Südsteiermark, sodass dort die deutsche Sprache zur Minderheit wird.