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1990

1990 - Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung

Am 5. Mai 1955 erhält die Bundesrepublik Deutschland (BRD) die volle Souveränität, lediglich für Deutschland ‚als Ganzes’ und Berlin bleiben alliierte Rechte erhalten. Nach der Ablehnung eines ‚Europastatuts’ durch die Bevölkerung wird das Saarland 1957 in die BRD eingegliedert. Mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) verstärkt sich die Westbindung. Die ‚DDR’ wird als separater Staat von der westlichen Staatenwelt nicht anerkannt, die BRD betont das Recht, für alle Deutschen zu sprechen (‚Hallstein-Doktrin’).

Die nicht abreißende Massenflucht aus der DDR in den Westen (seit Kriegsende 3,5 Millionen Menschen), insbesondere über die Innerberliner Grenze, führt am 13. August 1961 zum Bau der Mauer zwischen Ost- und Westberlin und von Absperranlagen entlang der gesamten deutsch-deutschen Grenze durch die DDR. Die Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt anerkennt 1970 die DDR als zweiten deutschen Staat mit dem Ziel einer ‚Wandlung durch Annäherung’. Die Bindung West-Berlins an die BRD wird gesichert, im Gegenzug aber die bestehenden Grenzen gegenüber Polen (Oder-Neiße-Grenze) und der Tschechoslowakei unter dem Vorbehalt eines späteren Friedensvertrags anerkannt (‚Ostverträge’).

Der politische und wirtschaftliche Niedergang der DDR führt zu einer neuen Massenflucht, jetzt über die sozialistischen ‚Bruderstaaten’, zu Massendemonstrationen und am 9. November 1989 zum Fall der Mauer in Berlin. Bundeskanzler Helmut Kohl überrascht die Welt mit einem 10-Punkte-Programm zur deutschen Wiedervereinigung. Verhandlungen mit einer demokratisch gewählten Regierung der DDR unter Lothar de Maizière und die ‚2+4-Gespräche’ (BRD, DDR, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich) führen zu einem Staatsvertrag zwischen beiden deutschen Staaten und am 3. Oktober 1990 durch Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland zur Wiedervereinigung. Auch ohne Friedensvertrag, der jetzt nicht mehr verfolgt wird, werden die östlichen Grenzen endgültig anerkannt. Es folgt das Ende der Sowjetunion und der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa. Seit 1991 ist Berlin wieder deutsche Hauptstadt.

Ab 1993 ist die Bundesrepublik Deutschland Mitglied der aus der EWG hervorgehenden Wirtschafts- und Währungsunion, der ‚Europäischen Union’ (EU), mit Sitz ihn Brüssel. Die Grenzen in Europa verlieren an Bedeutung.

Die deutsche Sprache verliert Boden im Westen. In Lothringen und im Elsass wendet sich die jüngere Generation, auch gefördert durch die französische Schulpolitik, zunehmend dem Französischen zu. Luxemburg spricht ‚Letzeburgisch’, behält aber – neben der französischen Amtssprache – die deutsche Schriftsprache. In Oberschlesien ist das Deutsche auf dem Rückzug.