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1938 - Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes

Die Niederlage im Ersten Weltkrieg hatte nicht nur Gebietsverluste (15% des Reichsgebiets) zur Folge, sondern auch Reparationen und wirtschaftliche Sanktionen in einem nicht tragfähigen Ausmaß. Das linksrheinische Gebiet und seit 1923 auch rechtsrheinische Gebiete und das Ruhrgebiet wurden von Frankreich besetzt. Die ‚Weimarer Republik’ erreicht zwar 1925 unter Reichspräsident Hindenburg und Außenminister Stresemann die Räumung des Rheinlands, das jedoch zoll- und passrechtlich von Deutschland getrennt bleibt. Weltwirtschaftskrise, Inflation und Massenarbeitslosigkeit aber führen zur Staatskrise, aus der die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in demokratischen Wahlen als Sieger hervorgehen. Am 30. Januar 1933 wird Hitler Reichskanzler, nach Hindenburgs Tod Staatsoberhaupt (‚Führer’).

Außenpolitisch erklärtes Ziel ist die Revision des ‚Versailler Diktats’. Das Saarland, das für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt war, stimmt in der in Versailles vereinbarten Volksabstimmung 1935 zu 91% für die Rückgliederung nach Deutschland. Unter Bruch bestehender Verträge besetzten 1936 deutsche Truppen das Rheinland und die übrigen besetzten Gebiete.

Auch die Republik Österreich hatte unter der Weltwirtschaftskrise zu leiden, was zu Unruhen und der Erstarkung des Nationalsozialismus führt. Hitler erreicht Anfang 1938 vom österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg die Einsetzung des Nationalsozialisten Seyß-Inquart als Innenminister, der nach dem Rücktritt Schuschniggs Kanzler wird. Nach dem Einrücken deutscher Truppen proklamiert die Regierung Seyß-Inquart am 12. März 1938 den Anschluss an Deutschland, der durch Volksabstimmung bestätigt wird.

In den ehemals österreichischen Gebieten Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien, jetzt Teil der Tschechoslowakei, leben 3,4 Millionen Menschen deutscher Volkszugehörigkeit, die dem Staat, dessen Teil sie gegen ihren Willen geworden sind, ablehnend gegenüberstehen. Seit 1937 fordern diese in ihrer großen Mehrheit den Anschluss an das mit Österreich verbundene Deutschland. Unter dem Druck Hitlers kommt es, um die Kriegsgefahr zu bannen, zum ‚Münchner Abkommen’ zwischen Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien, in dessen Folge am 29. September 1938 die deutschsprachigen Randgebiete als ‚Sudetenland’ dem Reich angegliedert werden. Die Tschechoslowakische Regierung ist an dem Abkommen nicht beteiligt, muss aber unter Druck zustimmen. Deutsche Truppen besetzen ohne Gegenwehr das zugesprochene Gebiet.

Das Memelland im nördlichen Ostpreußen war 1919 ohne Befragung der Bevölkerung unter französische Verwaltung gestellt und 1924, nach Eindringen litauischer Freischärler, autonomer Bestandteil Litauens geworden. Nach dem Übergreifen des Nationalsozialismus und erneuten Konflikten kommt das Land unter Belagerungszustand, nach Wahlen Ende 1938 (87% für Deutschland) wieder an Ostpreußen.

Die Sprachgrenzen haben sich weitgehend auf die neuen Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg zurückgezogen. In dem jetzt italienischen Südtirol werden Italiener, vor allem aus Süditalien, angesiedelt, sodass im nördlichen Südtirol (mit Bozen und Meran) in den Städten eine gemischte Bevölkerung entsteht. In den jetzt polnischen und jugoslawischen Gebieten ist eine deutsche Minderheit verblieben.