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1552 - Verlust von Metz, Toul und Verdun in Lothringen

1517 hatte Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht und damit die Reformationsbewegung ausgelöst. Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 kommt es – gegen den Willen des in Kriege gegen Türken und Franzosen gebundenen Kaiser Karl V. – zur religiösen Spaltung Deutschlands. Im Augsburger Religionsfrieden 1555 erhalten die Landesherren das Recht der Religionswahl für ihr Territorium (‚Cuius regio eius religio’). Seit Ferdinand I. 1556 erfolgen die Kaiserkrönungen nicht mehr in Rom, sondern in Frankfurt.

An die Schweiz verliert das Reich durch Volksentscheid bis 1513 noch Basel, Appenzell und Schaffhausen, 1526 Genf, 1536 das Waadt mit Lausanne (Losanen) und Neuenburg.

Der Gedanke, Lothringen ‚zurückzuholen’, war in Frankreich weiter lebendig. So war 1444 nach dem Waffenstillstand mit England Karl VII. von Frankreich wieder in der Lage, sich nach Osten zu wenden. Er nutzt die Chance, die marodierenden Kriegsleute aus dem nun wieder französischen Armagnak (im deutschen Volksmund die ‚armen Jecken’) loszuwerden und lässt sie über Lothringen und das Elsass herfallen, um hier Fuß zu fassen. Dies scheitert zunächst. 1552 aber nimmt dann Henri II. die Reichstädte Metz, Toul (Tull) und Verdun (Wirten) ohne kaiserliche Gegenwehr in seinen Besitz. Der im ‚oberrheinischen Kreis’ beim Reich verbleibende Teil Lothringens mit Nancy (Nanzig) behauptet nun einen relativ unabhängigen Status.

Nördlich anschließend werden die Niederlande, die früher burgundischen ‚niederen Lande’, und Luxemburg im ‚burgundischen Kreis’, dem auch die Freigrafschaft Burgund angehört, zusammengefasst, bleiben also beim Reich, werden jedoch von Reichspflichten weitgehend entbunden.

Im Süden wird dagegen die Republik Venedig leicht zurückgedrängt. Südlich von Trient kommen 1518 die ‚Welschen Confinen’ mit Rovereto (Rovereit) und Riva (Reif) am Gardasee zu Österreich, das sich auch innerhalb des Reiches zu Lasten Bayerns weiter ausdehnt. 1437 hatte der letzte Luxemburger Siegmund, zugleich Kaiser und böhmischer König, Böhmen mit Mähren, Schlesien und der Oberlausitz an das Haus Habsburg vererbt, das diese Länder – nach zwischenzeitlich kurzer Herrschaft der tschechischen Hussiten und Polens – endgültig 1526 in Besitz nimmt.

Im Norden verwandelt Markgraf Albrecht von Brandenburg 1525 den nach der Schlacht von Tannenberg verbliebenen preußischen Teil des Ordenslandes in das weltliche Herzogtum Preußen mit der Hauptstadt Königsberg. Nach vergeblicher Bitte um Reichshilfe gegen Polen leistet Albrecht dem Polenkönig Sigismund den Lehnseid.

Die deutsche Sprachgrenze zieht sich in Lothringen durch Auswanderung der Deutschen aus Metz und Westlothringen zurück. Im Osten waren die slawischen Minderheiten weitgehend assimiliert, nur in der Lausitz, in Oberschlesien und im südlichen Ostpreußen halten sich slawische Sprachen, in Böhmen und Mähren bleibt Tschechisch neben Deutsch Hochsprache.