Zeitachse
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843 - Teilung des Fränkischen Reichs im Vertrag von Verdun

Auf den Tod Ludwigs des Frommen, Sohn Karls des Großen, König der Franken und römischer Kaiser, im Jahr 840 folgen jahrelange Auseinandersetzungen unter seinen Söhnen Lothar, Karl und Ludwig um die Nachfolge. Lothar, noch zu Lebzeiten seines Vaters zum Mitkaiser gekrönt, kann seinen Anspruch auf Alleinherrschaft aber nicht durchsetzen. In der Schlacht von Fontenay erleidet er gegen seine Brüder eine schwere Niederlage. Die Bischöfe verstehen dies als Gottesurteil und tragen Karl und Ludwig auf, das von Lothar verwirkte Reich in ihren Besitz zu nehmen. In den Straßburger Eiden, zweisprachig französisch (‚romana lingua‘) und deutsch (‚teudisca lingua‘), versprechen sie sich 841 gegenseitige Treue.

Lothar jedoch versucht mit Hilfe der Sachsen und Wikinger das Blatt noch einmal zu wenden, was dann schließlich 843 zu dem Teilungsvertrag von Verdun (Wirten) führt. Die zu Grunde liegende Länder- und Grenzbeschreibung (‚Descriptio Regi‘) wird von 40 beauftragten Notablen hergestellt.

Lothar behält im Ergebnis die Kaiserwürde und erhält den die Königsstädte Aachen und Rom verbindenden mittleren Reichsteil, von der Nordsee bis nach Mittelitalien, ein nach seiner Geographie und Bevölkerung heterogenes und, wie sich zeigen sollte, nicht überlebensfähiges Gebiet.

Den westlichen Teil, also Frankreich, erhält Karl der Kahle, den östlichen Teil bis an Elbe und Saale, Böhmerwald und Wiener Wald, also Deutschland, Ludwig der Deutsche. Eine aus heutiger Sicht vielleicht naheliegende Teilung entsprechend den drei Völkern, Franzosen, Italienern und Deutschen, kommt nicht zustande, einmal, da sprachliche Gesichtspunkte damals nur eine nachgeordnete Rolle spielten, zum anderen, da Lothar mit dem italienischen Teil allein nicht einverstanden gewesen wäre. So ist diese ‚Geburtsstunde Deutschlands‘ überschattet von einem Konfliktherd, der über 1000 Jahre immer wieder zu Kämpfen zwischen Frankreich und Deutschland um Lothars Zwischenreich führen sollte.

Die deutsche (fränkische) Sprachgrenze im Westen verläuft etwa entlang Somme und Maas, mit einer breiten Übergangszone und einer fränkischen Oberschicht bis zur Loire, im Süden sind weitgehend die Alpen die Grenze gegenüber Rätoromanen und Italienern. Im Norden bildet die Eider die Grenze zu den Dänen, in einem Küstenstreifen an der Nordsee wird friesisch gesprochen. Im Osten sind Elbe, Saale und Böhmerwald die Grenze gegen die Westslawen. Im Südosten bildet die Enns die Sprachgrenze gegen Awaren und Südslawen, mit einer beginnenden Neusiedlung der Bayern über den Wienerwald und an die Drau.